
Orthomolekulare Medizin ist die Erhaltung einer guten Gesundheit und die Behandlung von Krankheiten durch Veränderung der Konzentration von Substanzen im menschlichen Körper, die normalerweise im Körper vorhanden und für die Gesundheit erforderlich sind. Verwendung von Vitaminen, Mineralstoffen, Spurelementen, Aminosäuren, essentiellen Fettsäuren und anderen Mikronährstoffen zur Vermeidung, Behandlung und Prävention von Krankheiten.
In der heutigen Zeit sind psychische Probleme wie Entwicklungsstörungen, Depressionen,
Angststörungen, Burnout und Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) weit verbreitet. Neben psychotherapeutischen und psychiatrischen Massnahmen gewinnt die orthomolekulare Medizin als begleitender Ansatz zunehmend an Bedeutung – vor allem in der integrativen oder komplementären Medizin.
Doch was genau versteht man darunter – und wie kann diese Therapieform zur psychischen Stabilisierung beitragen, ohne dabei als Ersatz für medizinische oder psychologische Behandlung missverstanden zu werden?
Die orthomolekulare Medizin basiert auf der gezielten Zufuhr von Mikronährstoffen – also Substanzen, die der Körper normalerweise selbst bildet oder aus der Nahrung aufnimmt, darunter Vitamine, Mineralstoffe, Aminosäuren und Fettsäuren. Ziel ist es, biochemische Prozesse im Körper ins Gleichgewicht zu bringen – etwa den Neurotransmitter-Stoffwechsel, der bei psychischen Symptomen häufig aus dem Takt geraten ist.
Unser seelisches Befinden hängt wesentlich von der Funktion bestimmter Botenstoffe im Gehirn ab, wie Serotonin, Dopamin oder GABA. Ihre Bildung und Aktivität sind wiederum abhängig von einer stabilen Versorgung mit bestimmten Mikronährstoffen. Störungen im Gleichgewicht können unter anderem durch chronischen Stress, Entzündungen oder unausgewogene Ernährung entstehen.
Die Bildung von Botenstoffen im Gehirn hängt direkt davon ab, wie gut der Körper mit wichtigen Nährstoffen versorgt ist
• Nährstoffe sind die Bausteine, aus denen unser Gehirn seine Botenstoffe herstellt
• Mineralstoffe, Spurenelemente und Vitamine unterstützen diesen Herstellungsprozess
• Ein Mangel an Nährstoffen sowie erbliche oder umweltbedingte Faktoren beeinflussen die Gehirnchemie
Orthomolekulare Medizin versucht hier nicht zu „ersetzen“, sondern zu „unterstützen“ – im Rahmen einer fachlich begleiteten Gesamtbehandlung.
Forschungen zeigen, dass Menschen mit depressiven Symptomen häufig niedrigere Blutwerte bestimmter Vitamine, Fettsäuren oder Coenzyme aufweisen. Hier kann eine gezielte Diagnostik helfen, individuelle Defizite aufzudecken und im Kontext einer therapeutischen Gesamtstrategie zu adressieren.
Ein Beispiel: Eine zu geringe Versorgung mit Vitamin D oder Omega-3-Fettsäuren kann sich auf das emotionale Gleichgewicht auswirken. Aber: Die Auswahl, Kombination und Dosierung solcher Substanzen sollte immer in fachkundige Hände gelegt werden – auch wegen möglicher Wechselwirkungen.
Magnesium wird oft als „Antistress-Mineral“ bezeichnet, weil es auf das vegetative Nervensystem regulierend wirkt. In der Praxis zeigen viele Menschen mit chronischer Anspannung oder Einschlafproblemen einen erhöhten Bedarf.
Auch Aminosäuren oder Vorstufen körpereigener Neurotransmitter werden in spezialisierten Praxen unterstützend eingesetzt – jedoch stets nach individueller Abklärung und niemals als pauschale Empfehlung.
Die orthomolekulare Unterstützung bei ADHS erfordert besonders viel Sorgfalt. Untersuchungen zeigen mögliche Zusammenhänge zwischen ADHS-Symptomen und einem Ungleichgewicht bestimmter Mineralstoffe (wie Zink oder Eisen), Omega-3-Fettsäuren oder Aminosäuren.
Wichtig: Gerade bei Kindern dürfen Nahrungsergänzungsmittel oder therapeutische Mikronährstoffe nur nach therapeutischer Abklärung eingesetzt werden – am besten begleitet durch Laboruntersuchungen und im Austausch mit anderen behandelnden Fachpersonen.
Die orthomolekulare Medizin kann bei psychischen Beschwerden eine wertvolle unterstützende Rolle spielen – etwa durch die Stabilisierung biochemischer Grundlagen, Förderung der Stressresistenz oder Unterstützung der Stimmungslage. Voraussetzung ist jedoch eine individuelle, differenzierte Diagnostik und die fachgerechte therapeutische Begleitung, idealerweise im interdisziplinären Kontext.

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